Christian Wundsam

Gasthaus Wundsam - Neustift im Mühlkreis

Gut, dass ich in meinem Leben nicht nur nach meinem Abschluss-Schulzeugnis beurteilt worden bin. Sonst hätte ich wahrscheinlich keinen einzigen Job bekommen.

Steckbrief

Wohnort: Neustift im Mühlkreis

Alter: 40

Aktueller Arbeitsplatz: Gasthaus Wundsam, Neustift, Inhaber

Schönste Erinnerung: Wie ich in London gearbeitet habe und Silvester mit meinen Arbeitskollegen am Big Ben war. 

Warum Gastro: Umgang mit Menschen und Organisation

 

www.gasthaus-wundsam.at


Menschenkenntnis, Freundlichkeit und der Wille zum Lernen sind wesentlich für einen Job in der Gastronomie, ist Christian Wundsam überzeugt. Als Teenager waren ihm allerdings Fortgehen und Fußball wichtiger. Im elterlichen Gasthof musste er nur selten aushelfen bzw. nur dann, wenn wirklich Not am Mann war. „Mein Vater hat alles richtig gemacht, in dem er mich an der langen Leine gelassen hat“, so der Gastronom heute. Der von sich selbst sagt „Ich bin keine Rampensau, ich organisiere lieber im Hintergrund. Mein Vater ist der, der auf die Leute zugeht. Da kann ich mir noch etwas abschauen.“

 

Einmal Gastro, immer Gastro?

Nicht unbedingt. Christian Wundsam hat viel ausprobiert, bevor er in der Gastronomie gelandet ist. Nach einer Lehre als Großhandelskaufmann hat er Skier verkauft, als Lagerist gearbeitet, edle Herrenmode an den Mann gebracht, organisierte Events für diverse Vereine in der Heimat, war aber auch in London, Indien und an vielen anderen Orten auf dieser Welt unterwegs. Nach einem Umweg über die Nachtgastronomie landete er schließlich im elterlichen Betrieb, den er 2008 von seinem Vater übernahm.

 

Das Beste an der Gastronomie

Vor allem für junge Menschen gibt es nichts Besseres, um die Welt zu sehen. Und man lernt sehr viel im Umgang mit Menschen, wächst an den Herausforderungen und ist für jeden anderen Job gut gerüstet. Gerade das Zugehen auf Leute, der Umgang mit den unterschiedlichsten Typen von Menschen ist ein Lernprozess. „Das ist wie beim Sex“, schmunzelt Christian Wundsam, „nach ein paar Mal kann man es einfach“.

 

Das gebe ich an meine Mitarbeiter weiter

Das Wichtigste ist Freundlichkeit. „Beim Wirt sind alle gleich“, sagte schon mein Vater. Egal ob Stallbursch oder Hofrat, es werden alle gleich freundlich behandelt. Das gilt aber nicht nur im Umgang mit den Gästen, sondern auch unter den Kollegen. Gerade in einem kleinen Familienbetrieb ist ein guter Umgang noch wichtiger. Da gibt’s kein „Hintenrum“, da muss man ehrlich sein. Und das muss ich als Chef vorleben. Sonst klappt das nicht. Besonders wichtig: Was man tut, soll von Herzen kommen. Dann macht man es auch gut.

 

Ein besonderes Erlebnis

Woran ich mich spontan erinnere, ist ein Erlebnis während meiner Zeit im Stiftskeller Aigen-Schlägl. An einem vermeintlich ruhigen Abend schickte ich den Lehrling nach Hause. Kurz darauf kamen an die 80 Gäste, die ich nun alleine bedienen musste. Sogar der Bürgermeister half irgendwann beim Einschenken. Nach diesem Abend war ich erledigt. Aber mir war auch klar, dass mich so schnell nichts mehr erschüttern kann. Oder der berühmte Pianist Lang Lang, der unsere raffinierte Interpretation der Mühlviertler Küche so lobte und bei einem Aufenthalt gleich mehrmals zum Essen kam.

 

Das mag ich weniger

In jedem Job gibt es Bereiche, die man weniger mag. Manchmal kommt einfach viel zu viel zusammen. Und natürlich ist die Arbeit am Wochenende auch nicht immer lustig. Das trifft aber auch Schichtarbeiter, Polizisten, Menschen in Pflegeberufen. Gerade mit Familie eine Herausforderung, aber man kann sich alles einteilen.

 

Asylwerber als Mitarbeiter

Für mich eine sehr positive Erfahrung. Vier Asylwerber waren bei mir Schnuppern. Und begeisterten mich sofort durch ihren außerordentlichen Arbeitswillen und ihre Freundlichkeit. Zwei Burschen absolvieren eine Lehre bei mir und ich bin immer noch begeistert. Sie lernen so schnell. Natürlich mussten sie sich in manchen Bereichen anpassen. Sei es, sich von einer Frau etwas sagen zu lassen. Oder dass im Ramadan tagsüber gekocht und somit auch gekostet wird. Aber wo ein Wille, da auch ein Weg. Solche Erfahrungen stärken das gesamte Team.

Oktober 2017

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